Objektivtest: Carl Zeiss Jena Pancolar 50mm 1.8 (M42) an Sony A7II

Geschichte

Das Carl Zeiss Jena Pancolar 50mm 1.8 lag schon 1-2 Jahre im Schrank. Durch Umzug und Corona bin ich eigentlich nicht mehr zum Fotografieren gekommen. Bis heute. Gekauft wurde es in einem nicht gerade super Zustand auf dem Flohmarkt. Preis war 10 oder 15 Euro – wirklich ein Schnäppchen. Die Blende ist etwas ölig. Der Fokusring geht zwar einfach, aber nicht 100% gleichmäßig. Ausgefahren sind ein paar Kratzer zu sehen. Und irgendwann hat das Objektiv auch einen Schlag von Vorne bekommen oder ist heruntergefallen. Die zusätzliche Streulichtblende war jedenfalls nur mit leichter Gewalt anzubringen. Soweit ich über das Pancolar informiert bin, soll es einen speziellen Look haben. Was kann das Objektiv also? Schwierig zu sagen – eventuell hat mein Modell einen Schaden oder der Look ist tatsächlich so krass. Es ist in der Mitte halbwegs scharf. Ansonsten wäre “Bokeh” untertrieben, das ist einfach der Hammer. Und schön milchig traumhaft. Dennoch kommt ab und zu auch ein technisch sauberes Bild raus. Die konkav-plane Linse in der hinteren Linsengruppe wurde nicht gedreht – dadurch könnte man ja einen eigentlich noch krasseren Look erzeugen. Das Objektiv war aber auf jeden Fall schon mal offen und ich habe keine Ahnung, wer da was gemacht hat und warum meins so einen eigenen Look hat. Jedenfalls kann ich die knackscharfen Bilder, die damit möglich sein sollen, mit meinem Modell nicht nachvollziehen.

Eckdaten

  • Bajonett: M42
  • Brennweite: 50mm
  • Lichtstärke: 1.8
  • Blendenlamellen: 6
  • Naheinstellgrenze: 35cm
  • Filterdurchmesser: 49mm
  • Gewicht: 250g

Praxiserfahrung

Das Pancolar ist nutzbar, aber nicht sehr gut erhalten und hat Gebrauchsspuren und Kratzer. Die Blende ist fast schon zu leichtgängig aber der Blendenmechanismus funktioniert einwandfrei – bis auf etwas ölige Lamellen ist das in Ordnung. Fokussieren geht nicht ganz gleichmäßig aber doch weich. Für mich persönlich ist die Strecke zwischen Naheinstellgrenze und Unendlich zu groß, man muss schon sehr kurbeln. Offenblendig und bei Blende 2.8 wirkt das Bild öfter wie mit einem Schleier überzogen. Wirklich scharf wird es kaum. Das Bokeh ist Hauptbestandteil des Bildes. Chromatische Aberration hat es, aber die gehen im Look sowieso völlig unter. Bei Blende 8 ist auch nur die Mitte scharf, an den Rändern Bokeh. Entweder wurde mein Objektiv für APS-C gemacht ;) oder aber ist dezentriert oder aber es soll einfach so sein. Denn wenn man eine brauchbare Schärfe erwischt, ploppt einem das Motiv regelrecht entgegen. Die Farben und der Kontrast liegen auch oft daneben, aber wenn alles “funktioniert” ist auch das echt super. Vintageeffekt wäre da untertrieben. Das Ding ist wirklich was anderes – ob defekt oder nicht. An der Sony A7II ging alles problemlos. Obwohl ich schon lange nicht mehr fotografiert habe, sind 41 von 42 Bildern so geworden wie gewollt. Farblich habe ich kaum nachgeholfen in der Nachbearbeitung, das ploppt einfach von selbst (oder eben nicht). Mein Pancolar ist das komplette Gegenteil von modernen Objektiven, die meist perfekt sind mit einer chirurgischen Präzision und damit verbunden auch etwas steril wirken. Was viele mit Bildbearbeitung mühevoll erzeugen wollen, kommt hier als JPG schon aus der Kamera. Eine Vignette ist bei Offenblende zu erkennen, allerdings hatte ich auch eine größere Streulichblende montiert, die das verstärken könnte. Der Bildstabilisator der A7II könnte mit dem Objektiv etwas besser harmonieren, aber womöglich lag es auch einfach an der mangelnden Praxis meinerseits.

Video: Carl Zeiss Jena Pancolar 50mm 1.8 (M42)

Bilder: Carl Zeiss Jena Pancolar 50mm 1.8 (M42)

1 Gedanke zu „Objektivtest: Carl Zeiss Jena Pancolar 50mm 1.8 (M42) an Sony A7II“

  1. Schicken Sie am besten das Objektiv zur Fa. Foto Olbrich in Görlitz. Die verfügen über einen Kollimatoren und können es exakt zentrieren. Danach werden Sie begeistert sein von der Schärfe.
    Beste Grüße Andreas aus Calau

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